Welternährungstag 2026: Ernährungsarmut im Alter
„Das kann ich mir nicht leisten“. Immer mehr Menschen müssen sich beim Kauf von Lebensmitteln einschränken. Dies trifft nicht nur Menschen in anderen Ländern, sondern auch in Deutsch-land. Gestiegene Preise der letzten Jahre haben diese Situation verschärft. Hierbei spricht man von Ernährungsarmut. Die Definition des Instituts für Ernährungsverhalten, Karlsruhe lautet:
„Ernährungsarmut besteht, wenn aufgrund fehlender Mittel der Zugang zu einer gesundheitsför-derlichen Ernährung unzureichend und eine ernährungsbezogene soziale bzw. kulturelle Teilhabe eingeschränkt ist.“
Dies betrifft nicht nur Familien, sondern zunehmend auch ältere Menschen. 2024 waren über 19 % der Älteren über 65 Jahren armutsgefährdet. Die materielle Armut betrifft den Erwerb von Lebensmitteln. Aber oft fällt es auch schwer, Freunde und Familie zu einem Essen einzuladen oder mit Freunden ein Café zu besuchen. Dies bezeichnet man als soziale Ernährungsarmut. Erschwerend können im Alter auch krankheitsbedingte Einschränkungen hinzutreten.
Oftmals ist die Lebensmittelauswahl auf sättigende Produkte wie Brot, Kartoffeln oder Nudeln ausge-richtet. Dabei ist bekannt, dass eine vollwertige Ernährung mit frischen Lebensmitteln wie Gemüse und Obst gerade im Alter Erkrankungen und Pflegebedürftigkeit vorbeugen und die Gesundheit verbessern kann.
Wie gehen Betroffene damit um?
Bei einer Befragung nannten Betroffene ihre Maßnahmen, um mit wenig finanziellen Mitteln auszukom-men. So versuchten sie, preisgünstige Lebensmittel in Geschäften (z.B. kurz vor Geschäftsschluss, Sonderangebote) oder der „Tafel“ zu erhalten, pflanzten auf dem Balkon oder Garten Gemüse an und sammelten Bee-ren und Pilze in der Natur. Sie versuchten, Lebensmittelab-fälle zu minimieren. Zugute kamen vielen ihre Küchenkennt-nisse beim Zubereiten und Konservieren. Für soziale Kon-takte nutzten einige das Angebot von Wohlfahrtsverbänden für Seniorenmittagstische oder Kaffeenachmittage, bei de-nen das Essen günstig zu erwerben ist. Häufig halfen auch Familienangehörige mit Einladungen, mitgebrachten Le-bensmitteln oder dem Besorgen schwerer Einkäufe.
Was kann man tun?
Nachbarschaftliche Hilfen können ein hilfreicher Anreiz sein: gemeinsames Zubereiten von Mahlzeiten (Koch-Treffs), Gespräche mit Betroffenen suchen und ihre Probleme wahrnehmen oder Organisieren von Einkaufsunterstützung. Hilfreich sind günstige Angebote auch bei Obst und Gemüse z.B. durch krumm gewachsene Produkte, Restverkäufe auf Wochenmärkten, Erleichterung von gesetzlichen Vor-gaben für die Abgabe an Tafeln etc. Weitere Maßnahmen sind: Sozialräume schaffen und ausweiten. Information über kostengünstige, gesunde Rezepte verbreiten, kommunale Angebote in Stadtteilen an-bieten, bereits bestehende Angebote zusammenführen und darüber informieren. Vielleicht sollten wir in unseren Wohlstandsländern auch einmal am Welternährungstag über solche Probleme und mögliche Lösungen nachdenken.
Literatur: Fehrenbach, L, Werner L., Kaufmann, T. et al.: „Mein Speiseplan richtet sich nach dem, was im Angebot ist.“ Herausforderungen, Bewältigungsstrategien und Ressourcen im Ernährungsalltag von Senior:innen in Armut. „Ernährungs Umschau“ 2026; 73(9), S. 176-85
Vernetzungsstelle Seniorenernährung Niedersachsen: Ernährungsarmut im Alter. https://vernetzungsstellesenioren-dge-ni.de/ernaehrungsarmut-im-alter/
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