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Essen – individuell oder in Gemeinschaft?

Wer heute Gäste zum Essen einlädt, sollte nicht mehr nur planen, was er gern kochen möchte. Es wäre sehr hilfreich, die Gäste vorher zu fragen, ob sie alle Lebensmittel vertragen oder ob sie unter einer Unverträglichkeit leiden. Das gemeinsame Mahl ist komplizierter geworden.

Von der Unverträglichkeit bis zur individuellen Ernährungsform

Neben Allergien und Unverträglichkeiten gibt es zunehmend mehr Menschen, die nach bestimmten Ernährungsformen leben wie vegan, vegetarisch, Paleo oder sogar ketogen. Dazu bekommen Essensvorschriften verschiedener Religionen wieder vermehrt Bedeutung. „Halal“, das reine Lebensmittel für Moslems oder „koscher“ für gläubige Juden sind keine Fremdwörter mehr. Zwar gab es schon immer Ernährungsrichtungen, die zu bestimmten Zeiten ihre Anhänger hatten wie Rohköstler, Vollwertköstler, Hay’sche Trennköstler oder Essen nach Blutgruppen. Aber heute existieren viele Formen neben- und nicht nacheinander. Das gemeinsame Essen, bei dem alle Essensteilnehmer das gleiche Gericht erhielten, ist dem miteinander Essen gewichen, wo sich jeder seine Speisen auf dem Büffet aussuchen kann. Komponentenessen heißt dies in der Gemeinschaftsverpflegung, wo es beispielsweise eine Salat- und Gemüsebar zum Aussuchen gibt.

Wohlstand und Individualisierung

Diese Entwicklung hat mit zweierlei Dingen zu tun. Zum einen ist es der Wohlstand, der dazu führt, dass es viele Lebensmittel zum Auswählen gibt. Bei Mangel oder knappem Essensangebot besteht solche Wahlmöglichkeit gar nicht. Dann muss man entweder hungern oder seine Essensgewohnheiten anpassen. Das zweite ist, dass die Menschen individueller geworden sind. Dies hängt auch mit dem Selbstwert zusammen. Man darf seine Bedürfnisse und Vorlieben äußern und sie auch leben. Manchmal führt dies dazu, dass man sich durch eine bestimmte Ernährungsform als Person ausdrücken oder „auffallen“ will.

Aber diese Haltungen haben auch ihre Schattenseiten. Der Wohlstand und die vielen Lebensmittel, die unabhängig von der Jahreszeit durch weltweiten Handel und veränderte Lagerungsmöglichkeiten bei uns angeboten werden, stammen teilweise aus Weltgegenden, wo es viel knapper zugeht. Die hier verzehrten Fleischmengen sind nur durch Futtermittelimporte zu erzeugen. Massentierhaltung ermöglicht niedrige Preise, die vielen Sojaprodukte stammen vielfach von Monokulturen mit Pestizideinsatz.

Aber auch die vielleicht unbewusste Einstellung, sich durch sein Essen von den anderen Menschen zu unterscheiden, führt zur Trennung der Gemeinsamkeit mit anderen. Dies mag ein Übergangsstadium sein, um sich als Person zu erleben.

Die soziale Seite des Essens

Aber Essen hat auch einen verbindenden sozialen Charakter. Interessant ist, dass alle Religionen gemeinsam nur vegan essen können, da die meisten Ernährungsvorschriften tierische Lebensmittel betreffen. Warum? Hat es etwas mit der Seele des Tieres zu tun? Christen haben keine Vorschriften, können mit allen Menschen anderer Religionen essen. Jeder kennt das Erlebnis in netter Runde zu essen, sich wohl zu fühlen und auszutauschen. Essen kann ein sehr sozialer und friedensstiftender Vorgang sein. So stellt sich die Frage, wie sich gemeinsames Essen zukünftig unter Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse gestalten lässt und was dafür notwendig ist.

Büffet

Info 3-16

 

Das AKE Info kann im Anhang heruntergeladen werden.

Foto: Bildrechte AKE

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