Verbraucher-Aktivitäten
John F. Kennedy formulierte erstmalig 1962 die vier Grundrechte des Verbrauchers vor dem US-Senat: the right to safety, the right to be informed, the right to choose and the right to be heard - das Recht auf Sicherheit, das Recht informiert zu werden, das Recht zu wählen und das Recht gehört zu werden. Damit begründet er den internationalen Verbraucherschutz, der jährlich am 15.3. als Weltverbrauchertag (World Consumer Day) und seit 1983 auch als Europäischer Tag der Verbraucher begangen wird.
Jeweils am 15. März findet der Europäische Verbrauchertag statt.
Jährlich einmal findet das Treffen der Verbraucherinitiativen und Demeter-Konsumentenvereinen am Goetheanum in Dornach statt.
Es dient dem Austausch der Initiativen und ihrer Aktivitäten.
Bericht 2009
Konsumenten – Auftraggeber der Wirtschaft
Auch 2009 fand ein Treffen von Demeter-Verbrauchern sowie Konsumentenvereinen aus Deutschland und der Schweiz statt. Eingeladen hatte die Sozialwissenschaftliche Sektion in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftlichen Sektion am Goetheanum.
Die Vertreter der Konsumentenvereine in der Schweiz berichteten aus ihrer Arbeit. Marc C. Theurillat vom Konsumentenverband betonte, dass aus ökonomischer Sicht die Konsumenten immer bestimmen, was produziert wird. Sie sind Auftraggeber der Wirtschaft. Allerdings sind sie eine sehr inhomogene Gruppe. Es ist schwer, Konsumenten zu organisieren. Allenfalls bei Lebensmittelskandalen werden Verbraucher aktiv, so U. Eisenhut mit Bedauern. Ein großes Anliegen des Konsumentenverbandes besteht darin, einen assoziativen Markt zu entwickeln. Dabei soll ein Interessensausgleich der verschiedenen Marktpartner durch Bewusstsein erfolgen. Informelle Gespräche führen die Vertreter der verschiedenen Bereiche wie Einzelhandel, Großhandel, Großküchenabnehmer, Verarbeiter und Bauern zusammen. Das Ziel ist, dass gegenseitig Verpflichtungen eingegangen werden (Beispiel Abo-Kisten). Durch den assoziativen Markt sollen Qualität, Menge und Preis innerhalb der gesetzlichen Rahmenbedingungen bestimmt werden. Dies setzt ein verantwortliches Handeln auch bei den Konsumenten voraus. Der Konsumentenverband arbeitet eng mit Demeter Schweiz zusammen und will versuchen, mehr Mitglieder zu gewinnen. Am 11. September 2010 ist ein öffentlicher Kongress in Zürich geplant: Konsumenten - Auftraggeber der Wirtschaft. Näheres unter www.konsumentenverein.ch.
Dr. Michael Rist vom Förderverein Zürich für biologisch-dynamischen Landbau und assoziative Wirtschaftsordnung vertritt ein etwas anderes Konzept. Regelmäßig werden Kurzinfos zu verschiedenen Themen herausgegeben, die von Zeitschriften gratis nachgedruckt werden. So erreichen sie unter dem Titel „Mündige Konsumenten und Konsumentinnen als Mitgestalter der Wirtschaft“ viele Leser. Darüber hinaus vergibt der Förderverein zinsfreie Darlehen an Bauern oder Verarbeiter von biologisch-dynamischen Erzeugnissen.
Die Vertreter der Demeter Verbrauchervereine aus Deutschland – Förderkreis für Umweltgesundung in München und Fördergemeinschaft für Umweltpflege in Wiesbaden berichteten ebenfalls aus ihrer Arbeit. Dr. Horst Habisreitinger und Renate Lendle arbeiten als Delegierte der Fachgruppe Verbraucher, die im letzten Jahr in Dornach gegründet wurde im Demeter e.V. mit. H. Habisreitinger regte an, dass auch bei Demeter International Verbrauchervertreter mitarbeiten sollten. Die Fördergemeinschaft für Umweltpflege konnte in den vergangenen Jahren Forschungsprojekte und Umstellungsberatung auf biologisch-dynamischen Landbau finanziell unterstützen.
Bericht 2008
Was ist eine Bürger-Aktiengesellschaft?
Ende Mai fand im Anschluss an das Treffen des Initiativkreises Ernährung in Dornach eine Zusammenkunft von Demeter-Verbrauchern statt, bei dem in diesem Jahr das Thema Bürger-Aktiengesellschaft im Mittelpunkt stand neben dem Austausch der Verbrauchergruppen.
Eingeladen war Christian Hiß, Gärtnermeister aus Eichstetten. Er berichtete von der Regionalwert AG, einer Bürgeraktiengesellschaft in der Region Freiburg. Schon früh suchte Christian Hiß nach alternativen Möglichkeiten, Kapital für die ökologische Landwirtschaft und regionaler Entwicklung zu bekommen. Wie bekommt man Kapital zusammen, mit dem ein Landwirt immaterielle Werte wie Erhalt von Artenvielfalt, gesunde Böden, gentechnikfreie Saatgutzüchtung schaffen kann? Dies wird mit der Bürgeraktiengesellschaft Regionalwert AG versucht. Sie ist ein Weg, Kapital für die Landwirtschaft bereitzustellen. Es gibt auch andere Formen wie Landfreikauf, Überführung der Betriebe in Stiftungen oder gemeinnützige Vereine.
Nach diesen grundlegenden Anregungen zur Kapitalbeschaffung in der Landwirtschaft stellten die anwesenden Verbraucher ihre aktuellen Projekte vor: Im Februar 2009 bestehen die „Demeter-Verbraucher Nürnberg“ 40 Jahre. Dazu wird es neben einer Festveranstaltung auf der Biofach-Messe eine Podiumsdiskussion mit VerbraucherInnnen geben.
Ferner wurde von der Gründung der Fachgruppe Verbraucher innerhalb des Demeter e.V. berichtet, der neben den „Demeter Verbrauchern Nürnberg“ der „Förderkreis für Umweltgesundung“ in München und die „Fördergemeinschaft für Umweltpflege“ in Wiesbaden angehören. Die Fachgruppe wird zwei Delegierte zur jährlichen Versammlung des Demeter e.V. entsenden.
Das nächste Treffen der Verbraucherinitiativen findet am 9.Mai 2009 in Dornach statt. Viele Fragen sind offen, die Verbraucher bewegen – globaler Handel mit Bio-Produkten, fair Trade, kann Bio die Welt ernähren? Was bedeutet „CO2 neutral“ - nur um einige Stichpunkte zu nennen. Und nicht zuletzt – wie gewinnen wir neue engagierte Konsumenten für die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise.
Renate Lendle
Weitere Informationen:
www.regionalwert-ag.de www.demeter-verbraucher-nuernberg.de www.fg-umweltpflege.de
2007:
Runde Tische - Orte neuer Ideen
Zum Auftakt fanden wir uns im Foyer des Goetheanums am runden Tisch der Installation Exchange Values von Shelley Sacks zusammen. In der Mitte stand ein großer Tisch, in dessen Vertiefung lagen hunderte getrockneter Bananenschalen, wir saßen an einer umlaufenden Bank davor. Dieser Gedanke – runder Tisch – brachte uns schnell ins Gespräch, unsere Verantwortung als Konsumenten wurde deutlich.
Die Vertreter der Verbrauchervereine aus Deutschland und der
Schweiz stellten ihre wichtigsten Aktivitäten
des letzten Jahres vor so die Aktion „Produkt des Monats“ vom Verband der
Demeter Konsumentenvereine Schweiz, bei der in Zusammenarbeit mit
Naturkostläden über 6 Monate jeweils ein Demeter Produkt ausgezeichnet wurde
oder die regelmäßige Information „Mündige Konsumenten“ des Konsumentenvereins
Zürich, wo in kurzen Texten wirtschaftliche Zusammenhänge erläutert werden. Beim
Förderkreis für Umweltgesundung in München stand das Angebot von Demeter
Produkten zwischen Naturkostfachhandel und qualitätsorientierten Handel in Diskussion.
Renate Lendle von der Fördergemeinschaft für Umweltpflege wies auf das veränderte Verbraucherverhalten hin, Bio-Käufer heute gehören zu verschiedenen Milieus an und müssen verschieden angesprochen werden, was für die Arbeit der Verbrauchervereine entscheidend, aber noch zu wenig bewusst ist.
In der Demeter Verbraucherarbeit gewinnt das Internet an Bedeutung – aber das Ur-Erlebnis mit den Demeter Lebensmitteln findet auf dem Hof statt. Konsumenten wollen die Lebensmittel erleben z.B. durch Verkostungen oder Aktionen. Dafür werden kompetente und fähige Menschen gebraucht, auch eine Aufgabe für Mitglieder der Demeter Konsumentenvereine. Weiterhin sollte von den Verbrauchervereinen daran gearbeitet werden, wie die wichtige Frage der Umweltverträglichkeit heute kommuniziert wird. Und nicht zuletzt gewinnen die sozialen Fragen in Zeiten immer stärkerer Globalisierung an Bedeutung – womit wir den Kreis schließen konnten – der „Runde Tisch“ als Zukunftsperspektive mit Vertretern von allen am Markt Beteiligten – vom Konsumenten über den Verarbeiter, Händler bis zum Erzeuger.
Renate Lendle