Jahresversammlung 2010
zur Saatgutqualität
Ernährung fängt beim Saatgut an
Die AKE Jahresversammlung am 4.9.2010 in Frankfurt Niederursel war eine besondere Veranstaltung, denn der Arbeitskreis feierte sein 40-jähriges Bestehen. Eine kleine Ausstellung wies auf diese Tatsache hin. Dort gab es mancherlei zu entdecken, was den Verein in den letzten Jahrzehnten beschäftigt hatte wie Beispiele aus der Steigbildarbeit, Fotos von Exkursionen des Arbeitskreises oder Anschauen von Forschungsarbeiten.
Thema der Veranstaltung war das Saatgut, die Grundlage unserer Ernährung. Immer wieder hat sich der AKE damit beschäftigt - so 1994 mit der Tagung „Gentechnik – was verursacht der Mensch durch den Griff in die Erbanlagen“ und 1995, zum 25-jährigen Bestehen: „Die Sorge um das Saatgut – Grundlage unserer Lebensqualität – Ansätze einer Problemlösung.“ Diesmal sprachen, Gebhard Rossmanith von der Bingenheimer Saatgut AG und Dr. Petra Kühne, Leiterin des AKE über diese Thematik.
Sortenentwicklung von Nahrungspflanzen – ein Kulturauftrag
Gebhard Rossmanith ist seit 20 Jahren im Gemüsebau und seit 9 Jahren bei der Bingenheimer Saatgut AG tätig. Diese ist Teil eines Netzwerkes von Betrieben, die Saatgut ziehen und zur Verfügung stellen. Saatgut, dessen natürliche Nachbaufähigkeit erhalten bleibt, das also samenfest ist. Selektion und Züchtung schafften über Jahrtausende eine große Vielfalt von Sorten, die an Klima und Standort angepasst sind. Zuerst übernahmen Bauer diese Kulturaufgabe, später Institutionen wie Klöster und schließlich Forschungsanstalten. Finanziert wurde dies durch die Allgemeinheit. Die weitere Entwicklung führte zu einer Spezialisierung. Die Züchtung gaben viele Höfe nach und nach ab. Heute, so schildert G. Rossmanith, kaufen Landwirte ihr Saatgut einfach. Das Bewusstsein dafür ging vielen dadurch jedoch verloren. Zahlreiche Züchtungsfirmen finanzieren ihre Arbeit durch Saatgutverkauf, Lizenz- und Nachbaugebühren. Oft arbeitet man mit Hybridpflanzen, die von einzelnen Bauern nicht mehr nachzubauen sind. So wurden sie im Lauf der Zeit abhängig von einer Saatgutindustrie.
Gebhard Rossmanith ist seit 20 Jahren im Gemüsebau und seit 9 Jahren bei der Bingenheimer Saatgut AG tätig. Diese ist Teil eines Netzwerkes von Betrieben, die Saatgut ziehen und zur Verfügung stellen. Saatgut, dessen natürliche Nachbaufähigkeit erhalten bleibt, das also samenfest ist. Selektion und Züchtung schafften über Jahrtausende eine große Vielfalt von Sorten, die an Klima und Standort angepasst sind. Zuerst übernahmen Bauer diese Kulturaufgabe, später Institutionen wie Klöster und schließlich Forschungsanstalten. Finanziert wurde dies durch die Allgemeinheit. Die weitere Entwicklung führte zu einer Spezialisierung. Die Züchtung gaben viele Höfe nach und nach ab. Heute, so schildert G. Rossmanith, kaufen Landwirte ihr Saatgut einfach. Das Bewusstsein dafür ging vielen dadurch jedoch verloren. Zahlreiche Züchtungsfirmen finanzieren ihre Arbeit durch Saatgutverkauf, Lizenz- und Nachbaugebühren. Oft arbeitet man mit Hybridpflanzen, die von einzelnen Bauern nicht mehr nachzubauen sind. So wurden sie im Lauf der Zeit abhängig von einer Saatgutindustrie.
Für die Assoziation biologisch-dynamischer Züchter ist es bedeutend, dass es in der Gesellschaft wieder ein Bewusstsein für die Aufgabe des Erhalts und die Weiterentwicklung nachbaufähiger Sorten durch die Züchtung besteht. Das heißt, diese
Arbeit sollte auf Höfen stattfinden. Dies kann aber nicht mehr unentgeltlich geschehen. Zahlen müssten diejenigen, die diese Leistung in Anspruch nehmen. Es profitieren Handel, Landwirtschaft und der Konsument. Die Kulturleistung der Züchtung und Erhaltung des Saatguts sollte von der Allgemeinheit getragen werden. Dazu gehören auch Spenden und Mitgliedsbeiträge an die entsprechenden Vereinigungen. Gebhard Rossmanith nannte ein weiteres positives Beispiel: Die Unterstützung der Zucht von samenfesten Sorten aus dem Verkauf von Gemüse eines Naturkosthandels („fair breed“).
Saatgut und Ernährungsqualität
Dr. Petra Kühne sprach anschließend über den Zusammenhang von Saatgut und Ernährungsqualität. Aus unserem Erleben heraus wissen wir, eine Pflanze wächst von alleine. Der Gärtner oder Bauer schafft lediglich die Bedingungen für dieses Wachstum. Damit kommt man einen wesentlichen Zusammenhang näher. Als vor etwa 10.000 Jahren die Menschen von Sammlern zu Ackerbauern wurden, nahmen sie die Verantwortung für die Verbreitung, Existenz und Entwicklung dieser Lebewesen auf sich. Dafür nutzen die Menschen die Nährkraft der Nahrungspflanzen. Jede Pflanze hat ein bestimmtes Potential an Kräften, sich zu verändern und an Gegebenheiten anzupassen. Die Art der Züchtung wird sich in den Kräften, also auch der Nährkraft widerspiegeln. In den letzten 100 Jahren hat sich der Ertrag von z.B. von Getreide verdoppelt. Dies geschah unter anderem mit Hilfe des Stickstoffdüngers, aber auch durch neue, ertragreichere Sorten. Man lenkte also in der Züchtung die Kräfte der Pflanze in die Richtung mehr Materie aufbauen zu können. Auch werden Pflanzen an unsere moderne Lebensweise angepasst. In herkömmlichen Gartenkatalogen findet man beispielsweise Kirschbäume angeboten mit dem Hinweis, dass ihre Früchte tiefgefriergeeignet sind. Das bedeutet, dass die Strukturen des Fruchtfleisches härter, aber damit schwerer verdaulich sind. Ein weiteres Beispiel: Die Zucht gut backfähiger Getreidesorten bewirkte, dass der relative Gehalt an essentiellen Aminosäuren zurückging. Wenn wir unsere Verantwortung für Kulturpflanze und Haustiere ernst nehmen, müssen wir überdenken, mit welchem Ziel, wir züchten und was daraus für uns und unsere Umwelt entstehen kann.
Wie immer bei unseren Jahresversammlungen blieben wir nicht bei der Theorie stehen.
Qualität kann man erleben.
Dies wurde deutlich bei der Verkostung verschiedener Gurkensorten. Mit allen Sinnen sollte probiert werden. Geruch, Geschmack, Konsistenz und die Wirkung auf das Befinden gehören dazu. Es war spannend zu erleben, wie die einzelnen Sorten bei den Tests abschnitten und dass die Qualität eines Nahrungsmittels spürbar ist.