Die Erbse (Pisum sativum)
Erbsen gehören wie Bohnen und Linsen zur Familie der Hülsenfrüchte oder Leguminosen. Wie alle Mitglieder dieser Pflanzenfamilie haben auch Erbsen die Fähigkeit, den Stickstoff der Luft im Boden zu binden und damit Eiweiß aufzubauen. Dies gelingt ihnen mit Hilfe von Knöllchenbakterien in ihrem Wurzelbereich, mit denen sie eine Symbiose, eine Lebensgemeinschaft eingegangen sind.
So reichern diese Pflanzen den Boden mit Stickstoff an und sind zusätzlich Eiweißlieferanten für den Menschen. Somit sind sie insbesondere für Vegetarier interessant. Ihrem Eiweiß fehlt allerdings die Aminosäure Methionin, daher ist eine Ergänzung durch andere eiweißhaltige Lebensmittel wie beispielsweise Getreide notwendig. Das kompakte schwere Eiweiß der Hülsenfrüchte war der Grund dafür, dass Pythagoras sowie die Lehrer anderer geistiger Richtungen ihren Schülern verboten, Hülsenfrüchte vor allem Bohnen zu essen. Sie waren zu belastend für die Verdauung und damit hinderlich für eine spirituelle Entwicklung. Natürlich ist hierbei auch die verzehrte Menge entscheidend. Erbsen haben ein leichter verdauliches Eiweiß als Bohnen; ihnen fehlt auch der in Bohnen enthaltene Giftstoff Phasin, der erst beim Kochen zerfällt. So kann man junge Erbsen, insbesondere die zarten, süßen Markerbsen auch direkt aus der Schote essen.
Geschichte
Die Erbse ist eine der ältesten Nutzpflanzen der Menschheit. Sie wurde noch vor Bohnen und Linsen kultiviert, wahrscheinlich genau so lange wie Emmer oder Gerste. Seit etwa 7000 Jahren kennt man in China, dem Nahen Osten und Nordostafrika Trockenerbsen, die gekocht und als Mus verzehrt ein Grundnahrungsmittel waren.
Erbsengemüse aus grünen, unreifen Erbsen oder auch aus den Schoten kannte man nicht. Erst im 17. Jh. begannen holländische Gärtner Zuckererbsen zu züchten und zu vermarkten; eine zu dieser Zeit unglaublich teure Speise, die nur sehr wohlhabenden Menschen zur Verfügung stand. Viele Bauernvölker rund um die Welt sahen Erbsen als Fruchtbarkeitssymbol an. Man gab sie Hühnern in das Futter, damit sie gut Eier legen und in Ostpreußen schüttete man an Neujahr Erbsen in das Schweinefutter. Aber auch bei Hochzeiten und Geburten spielten Erbsengerichte in vielen Gegenden eine Rolle. Erbsen dienten in einigen Kulturen, schon im alten Ägypten, aber auch in Mitteleuropa, als Totenspeise und halfen, den Segen der Ahnen zu erhalten. Als Gegenleistung für die Speise segneten die Ahnen Äcker und Haustiere mit Gesundheit und Fruchtbarkeit. Weiterhin galten Erbsen in manchen Landstrichen als Zwergenspeise. Um hilfreiche Hausgeister für sich zu gewinnen, stellte man in der Weihnachtszeit eine kleine Schüssel mit Erbsenmus für das unsichtbare Volk in eine dunkle Stubenecke.
So bekannt diese Kulturpflanze auch seit jeher war, in der Heilkunde spielte sie keine besondere Rolle. Bekannt war in einigen Gegenden der Glaube, Erbsen könnten gegen Warzen helfen. Dabei wurde die Warze mit einer Erbse abgerieben. Diese band man dann in ein kleines Tuch und warf das Ganze fort. Demjenigen, der dieses Tuch aufhob, wuchs bald eine Warze, und der ursprüngliche Besitzer war sie los. Richtig berühmt wurde die Erbse dann in der Naturwissenschaft. Mit ihrer Hilfe entdeckte der Augustinermönch Gregor Mendel die Gesetze der Vererbung. Er kreuzte immer wieder gelbe Erbsensorten mit grünen und hielt die Ergebnisse fest. Diese Zuchtversuche bildeten später die Basis für weitere genetische Forschungen.
Sorten und Verwendung
Auch heute noch werden Erbsen weltweit in gemäßigten Zonen angebaut. Die Jahresproduktion liegt etwa bei 20 Millionen Tonnen. Einheimische Erbsen sind bei uns von Juni bis August erhältlich. Man unterscheidet zwischen Schalenerbsen, die ohne die Hülse gegessen werden und Zuckererbsen, welche man gekocht oder auch roh mit Hülse verzehrt. Letztere werden nur für den Frischverzehr angebaut.
Markerbsen und Palerbsen gehören zu den Schalenerbsen. Die süßlichen Markerbsen kann man in der Küche nur frisch verwenden. Man kocht sie als Gemüsebeilage oder verwendet sie auch für Salate. Im getrockneten Zustand werden sie beim Kochen nicht weich. Frische Erbsen sind auf Wochenmärkten zwar ab und zu erhältlich, sie spielen aber wegen ihrer schlechten Lagereigenschaften wirtschaftlich keine große Rolle. Im Kühlschrank kann man sie 2 bis 3 Tage aufbewahren; sie verlieren aber relativ schnell Geschmack und Farbe. Markerbsen erhält man daher meist als Konserve oder Tiefkühlware. Beliebt ist dagegen der Anbau im Garten für den Eigenbedarf.
Palerbsen werden dagegen als grüne oder gelbe Trockenerbsen in unterschiedlicher Größe angeboten. In einem geschlossenen Behälter kühl und trocken aufbewahrt sind sie bis zu einem Jahr haltbar und eignen sich daher für den Vorrat. Sie enthalten viel Stärke und schmecken sowohl als Eintopf als auch als Erbspüree. Man erhält sie auch zu Erbsmehl gema hlen. In dieser Form werden sie für Suppen genutzt. Für den Verzehr werden sie über Nacht in Wasser eingeweicht und dann, eventuell unter Zugabe von Gewürzen, im Einweichwasser weich gekocht. Danach verwendet man sie entsprechend Rezept. Erbsen sind nicht nur reich an Eiweiß und Kohlenhydraten. Sie enthalten auch Vitamin B1 und Mineralstoffe wie Kalium und Magnesium.
