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Degenerative Erkrankungen - wie entstehen sie?

Zu den degenerativen Krankheiten zählen die heute so verbreiteten Formen wie Arthrose, Rheuma, Osteoporose, Arteriosklerose, Diabetes Typ 2 und Autoimmun-Krankheiten (z.B. Schilddrüse, Zöliakie) Was sind das für Krankheiten und wie kann mit Ernährung eine Therapie begleiten? In der anthroposophischen Medizin gliedert man die wichtigsten Krankheiten in drei Gruppen:

  • entzündliche Krankheiten
    Hierzu zählen Infekte, Erkältungen, Grippe, viele Infektionskrankheiten. Sie gehen oftmals mit Fieber einher. Der Betroffene fühlt sich matt und wirklich krank. Hier erreicht die Krankheit sofort das Fühlen: die Seele ist mit beteiligt.
  • Wucherungen
    Die wichtigste Krankheit hierbei ist der Krebs. Es findet ein unkontrolliertes Wachstum von Zellen statt, die sich nicht in den Organismus integrieren. Dies ist ein Überwiegen des „Ätherischen“, Le­bendigen. Es wird allerdings nicht von den höheren Kräften des Ichs und der Seele ergriffen und führt so ein gefährliches Eigenleben. Die Krankheit entsteht meist im Verborgenen, wird oft nicht vom Betroffenen selbst entdeckt, sondern durch ärztliche Untersuchungen. Daher ist sie lange unbewusst.
  • degenerative Erkrankungen
    Diese abbauenden Erkrankungen entwickeln sich ebenfalls zunächst unbemerkt. Sie verursacht kein Fieber, kein Wachstum, sondern bauen den Organismus ab. Da dieser Prozess - in schwächeren Maße - auch im Alter erfolgt, zeigt sich hier ein verfrühter und beschleunigter Alterungsprozess, der auf Abbauvorgängen beruht. Es tritt lange Zeit kein Schmerz, kein Krankheitsgefühl auf. Man spricht hier auch von „kalten“ Krankheiten. Die degenerativen Krankheiten können von entzündlichen Phasen (z.B. die Arthrose von Arthritis) begleitet sein.
    Da die degenerativen Krankheiten heute sehr im Zunehmen begriffen sind, sollen sie in den folgenden Heften dargestellt und einige Hinweise zur Vorbeugung und Therapiebegleitung gegeben werden.


Auf- und Abbauprozesse im Menschen

Sowohl die entzündlichen wie die degenerativen Krankheiten zeigen in übersteigerter Weise zwei polare Prozesse, die im menschlichen Organismus auftreten. Aufbauprozesse sind deutlich im Wachstum, Körpererhalt, Heilungsprozessen zu erkennen. Die Steigerung zur Krankheit wäre dann die Entzündung.

Abbauprozesse finden fortwährend statt. Sie sind die Folge unserer Bewusstseinstätigkeit. Seelische Regungen, besonders Stress oder Aufregungen, aber auch die Sinnestätigkeit wie Hören, Sehen, Riechen, Tasten und Schmecken bauen ab. Bewusstseinsprozesse sind immer Abbau- oder Todesprozesse, die die Aufbauprozesse zurückdrängen. Wenn wir denken, bauen wir unseren Organismus ab. Sichtbares Zeichen ist die Ermüdung. Die Steigerung zur Krankheit wäre die Degeneration oder Sklerotisierung (Erstarrung).

Im Schlaf erfolgt eine Regeneration und ein Aufbau, damit wir erfrischt am Morgen aufwachen. So lebt der Mensch zwischen Aufbau - überwiegend im Schlaf - und Abbau im Laufe des Tages. Im Kindes- und Jugendalter dominieren die Aufbaukräfte, da der Körper mit seinen Organen wächst und vollständig aufgebaut wird. Mit der Beendigung von Wachstumsprozessen z.B. dem Abschluss der Zahnbildung der bleibenden Zähne oder Erreichen der endgültigen Körpergröße werden Aufbaukräfte frei. Nun geschieht folgendes: Die Bildekräfte sind nicht mehr an den Körperaufbau gebunden - es wachsen ja nie mehr Zähne nach - sondern stehen dem Menschen für höhere Dienste zur Verfügung. Dies ist die Denktätigkeit. Mit Abschluss sogenannter leibgebundener Aufgaben werden Bildekräfte frei, die zur Denk-Aktivität benutzt werden können. Die „neuen“ Denkmöglichkeiten zeigen sich dann in der geistigen Entwicklung des jungen Menschen. Solche „natürliche“ Freisetzung erfolgt aber auch in den Erwachsenenjahren, wenn Körperfähigkeiten zurückgehen. Hier entsteht allerdings meist ein Mangel, beispielsweise sieht man nicht mehr so gut.

Aufbaukräfte     Wachstum, körperlich-vitale Entwicklung, Stoffwechsel

Abbaukräfte      Bewusstsein, Sinnestätigkeit, Verdauung, Nerventätigkeit

Bei degenerativen Erkrankungen ziehen sich dagegen die Aufbaukräfte zu früh und nicht geregelt aus ihrer Körperbindung, so dass die Abbauprozesse deutlich zutage treten. Das Gleichgewicht zwischen Auf- und Abbau ist nicht in Harmonie. Dies kann an einem Übermaß an Abbautätigkeit liegen wie zu viel Bewusstsein oder an einem Mangel an Aufbaukräften durch ungenügende Ernährung etc. Auch kann die Regulation im Körper gestört sei, denn meist findet die Degeneration an einem bestimmten Organ oder Körperteil statt und nicht generell.

Im Alter sind Degenerationsprozesse normal, die Bindung der Aufbaukräfte, des Lebenserhalts, werden schwächer. Allerdings zeigt sich trotz zurückgehender Organtätigkeit, dass die Stoffwechselfähigkeit weitgehend erhalten bleibt. Dies ist bei der degenerativen Erkrankung nicht der Fall.

Gleichzeitig kann man im Alter auch eine Zunahme von geistiger Kraft bei manchen älteren Menschen beobachten: die Altersweisheit. Freiwerdende Bildekräfte verbessern natürlich nicht das Denken, sondern beinhalten die Möglichkeit einer geistigen Tätigkeit, die der Mensch dann ergreifen kann.

Die degenerativen Erkrankungen stellen also frühe Alterungsprozesse dar, die meist an einer Körperstelle (Gelenk, Knochen, Adern, Organ) auftreten.


Degeneration - Überwiegen des Physischen

Bei den degenerativen Erkrankungen können die Aufbaukräfte nicht genügend gestaltend und erhaltend in den Körper eingreifen. Als Folge davon sind die betroffenen Körperbereiche nicht ausreichend eingebunden in den belebenden Stoffwechsel, sie werden „schwer“, fallen aus dem lebendigen Zusammenhalt etwas heraus. Das Physische, Mineralische dominiert. Daher kommt es häufig zu Ablagerungen (Sklerotisierung) oder zu mangelndem Einbau von Substanzen(z.B. bei Osteoporose oder Arthrose), so dass eine „Entkalkung“ entsteht. Auch Erschöpfungsprozesse von Organen oder ihren Funktionen (Diabetes, Verdauungsschwächen) gehören dazu. Ihnen fehlt die regenerierende Kraft.


Rhythmus als Ausgleich und Heilungsfaktor

Nun stehen sich nicht nur auf- und abbauende Prozesse im Mensch unverbunden gegenüber. Es gibt einen verbindenden Bereich. Dies ist das Rhythmische System. Hierzu gehören alle rhythmischen Prozesse im Menschen. Hauptvertreter sind das Blut mit Pulswelle und Herzschlag sowie die Atmung mit dem rhythmischen Luftholen und wieder Abgeben. Aber auch sonstige rhythmische Prozesse wie die Darmperistaltik (rhythmische Darmbewegung) oder Leber- und Nierenrhythmus gehören dazu. „Rhythmus spart Lebenskraft“ ist ein bekannter Ausspruch der selbst im alltäglichen Bereich seine Richtigkeit zeigt.

Das Ordnen von Lebensprozessen, Regulieren von Abbauprozessen stellt einen Heilfaktor in unserem Körper dar, weil dadurch die Auf- und Abbauprozesse in das rechte Verhältnis gesetzt werden. Degenerative Erkrankungen zeigen daher auch immer Rhythmusschwächen oder -störungen. Auf der anderen Seite ist eine Stärkung des Rhythmischen Systems auch mit einem Heilfaktor verbunden wie man an zahlreichen Therapien erkennen kann.


Was kann man tun? Allgemeine Hinweise

Bei den degenerativen Erkrankungen ist meist eine spezielle therapeutische Behandlung notwendig. Dazu kann man aber durch eine gezielte Ernährung auch einige Unterstützung geben, die jedoch nicht die Therapie ersetzen können.

Es wurde schon gesagt, dass die Aufbaukräfte vor allem im Schlaf, wenn das Bewusstsein ruht, tätig sind. Daher ist der ausreichende Schlaf ein wichtiger Punkt zur Prävention oder genauer gesagt, das richtige Verhältnis von Wachen und Schlafen. Das Schlafbedürfnis kann individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt sein und ist auch mit von der Konstitution bedingt. Dies sollte man beachten.

Das Anregen des Rhythmus im eigenen Leben ist ein wichtiger Ansatzpunkt. Zum einen gehört ene Regelmäßigkeit der Lebensführung dazu. Hiermit ist nicht gemeint, dass man seinen Tagesablauf pedantisch einteilen soll, aber ein ordnender Faktor wie z.B. täglich 5 regelmäßige Mahlzeiten und nicht ein Zwischendurch-Essen. Die Organentlastung ist hierbei groß. Ist ein Verdauungsorgan so geschwächt, dass es beispielsweise die Nahrungsmenge einer normalen Mahlzeit nicht mehr bewältigt, so muss das Essen auf mehr kleinere Mahlezeiten verteilt werden (z.B. bei Diabetes).

Rhythmische Tätigkeiten im künstlerischen Bereich, aber auch sportlich-bewegungsmäßige (ohne Überforderung) sind ebenfalls günstig. Besonders eine Bewegung in frischer Luft regt die Atmung mit ihrer sauerstoffversorgenden, regenerierenden Tätigkeit an.

Hilfreich ist es auch, auf Tätigkeiten im Tagesablauf zu schauen, die seelisch abbauen oder aufbauen. Das richtige Maß an Stress ist anregend, darüber hinaus Belastung und Abbau. Langeweile und das Gefühl der Sinnlosigkeit wirken abbauend, Muße und Zufriedenheit aufbauend. Kann man sich solche positiven Punkte im Leben verstärken und negative zurückdrängen?

Petra Kühne

Aus Ernährungsrundbrief 1-2003

Weitere Ausführungen zu speziellen Lebensmitteln und Hilfen bei der Umstellung sind zu finden in dem Buch: Petra Kühne: Degenerative Erkrankungen und Ernährung. Bad Vilbel 2006 (unter der Rubrik Bücher)


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